Katholische Pfarrgemeinde
St. Sebastian

Pfarrbriefe 1970


Oktober 1970

Unsere Kirchenfenster

Wir sind Erben. Keiner fängt am Nullpunkt an. Es ist uns aufgetragen, das, was uns geschenkt wurde, zu pflegen, daran weiterzubauen und es fruchtbar zu machen für die Gegenwart und die Zukunft. So fiel uns die Aufgabe zu, die Schäden, die der Zahn der Zeit und vor allem das Kriegsgeschehen an unserer Pfarrkirche angerichtet haben, zu beseitigen. Immer noch gilt unser Sorgen und Mühen dieser Aufgabe.

Da die alten Fenster zum größten Teil zerstört waren, erteilte der Kirchenvorstand am 20. 6. 1951 dem inzwischen verstorbenen namhaften niederrh. Künstler Josef Strater den Auftrag, die Buntfenster zu entwerfen. Die technische Ausführung wurde den Glaswerkstätten Dr. H. Oidtmann in Linnich übertragen. Die Kunst, Fenster aus farbigem Glas zusammenzusetzen, ist seit dem 11. Jahrhundert verbreitet. Ihre höchste Blüte erlebte sie in den Ländern nördlich der Alpen, Deutschland, Frankreich und England. Wer heute aus dem Lärm der Straße in unser Gotteshaus eintritt, erlebt es, wie gerade die tiefen Farben der Fenster dem Raum das sakrale Gepräge geben. Und wie der unmittelbare Eindruck des Spiels der Farben, so weisen auch die figürlichen Darstellungen hin auf das Geheimnis und rufen den Beschauer zur Stille.

Thematisch gliedern sich die Fenster in drei Gruppen. Die erste Gruppe, die eine Einheit bildet, sind die Fenster des Langschiffes und die Chorpartie. Dargestellt ist das Zentralgeheimnis des christlichen Glaubens, die Erlösung. Die Fenster des Langschiffes weisen hin auf die Erlösungssehnsucht der Menschheit, die zum Ausdruck kommt im Opfer des Abel, des Abraham und des Melchisedech. Die Fenster sind flankiert von Prophetengestalten des Alten Bundes. In den großen Chorfenstern kommt das Erlösungswerk Christi zur Darstellung. Maria als Urbild der Kirche vertritt dabei die Rolle des neutestamentlichen Gottesvolkes und damit auch des einzelnen Christen. Links sehen wir die Verkündigungsszene. Maria spricht das Ja des Glaubens, der Sohn Gottes wird Mensch, „Das Wort ist Fleisch geworden". Das mittlere Fenster zeigt die Kreuzigung. Die Heilige Schrift deutet den Kreuzestod Christi als Erlösungsopfer. In ihm offenbart sich das Wunder und Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit, die alles menschliche Versagen, alle Bosheit und Sünde doch hell überstrahlt. Die Schmerzensmutter steht unter dem Kreuz als Vertreterin der erlösten Menschheit. Im rechten Fenster sehen wir die Krönung Mariens als Hinweis auf unsere eigene Vollendung im Reiche Gottes. In den Chorfenstern finden wir also die Illustration des alten Kirchengebetes: „O Gott, durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt; führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung!"

Den zweiten Zyklus bilden die großen Rundfenster. Das Fenster an der Nordseite stellt den lehrenden und wirkenden Christus dar, das gegenüberliegende den auferstandenen Herrn, das Fenster über der Orgel den richtenden Christus, den König der Herrlichkeit. Die kleinen Rosetten in diesen Fenstern zeigen entsprechende Szenen zu diesen Themen aus den Evangelien oder — beim Orgelfenster — aus der Geheimen Offenbarung des hl. Johannes.

In den sechs Fenstern des Querschiffes finden wir Heiligengestalten, und zwar den hl. Papst- Pius X., dessen Pontifikat die Älteren unter uns noch erlebt haben; Hermann Josef von Steirfeld aus dem Orden der Prämonstratenser, der jahrhundertlang bis zur Säkularisation die Seelsorger für unsere Pfarre stellte; Monika, die Mutter des hl. Augustin und Patronin der Frauen unserer Gemeinde; die hl. Cacilia, die Patronin des Kirchenchores; unseren Pfarrpatron St. Sebastian und Antonius, den Einsiedler, dessen Verehrung von alters her im niederrheinischen Raum verbreitet war. Auch die Verehrung der Heiligen ist letztlich Lobpreis Gottes, denn jeder von ihnen muß mit dem Apostel Paulus bekennen: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin, und seine Gnade ist in mir nicht unwirksam geblieben." (1. Cor. 15,10)

Die Fenster unserer Kirche sind erstellt worden aus den Spenden der Pfarrangehörigen. Sie künden von unserem Glauben. Sie mahnen uns, den Glauben weiterzugeben an die, welche nach uns kommen, daß er ihen werde, was er uns ist: Sinndeutung des Lebens, Quelle der Kraft und Garant unserer Hoffnung.

(Dechant P. Werth)

Pastoralverband - wieder ein neuer Verein?

Sagt Ihnen der Name „Pastoralverband" überhaupt etwas? Wenn nicht, so soll hier versucht werden, ihn etwas zu verdeutlichen.

Sie wissen alle, daß man heute viel von Teamarbeit redet, weil man erkannt hat, daß in der Zusammenarbeit die größeren Erfolgschancen liegen. So etwas wollen auch die Pastoralverbände, von denen in der Region Kempen-Krefeld vier gegründet werden sollen. Wir wei'' den dem Pastoralverband „Nettetal-Brüggen" angehören, in dem alle Pfarren der Stadt Nettetal und der Gemeinde Brüggen zusammengefaßt sind. Es handelt sich um zehn Pfarren mit etwa 37 000 Katholiken, in denen 18 Priester mit einem Durchschnittalter von über 50 Jahren tätig sind. Ein Zusammenschluß ist notwendig, damit die Priester nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten eingesetzt werden können.

Bedeutet das nun die Aufhebung der Pfarrei? Nein. Aber es gibt viele Aufgaben, die man gemeinsam besser lösen kann, als wenn jeder einzelne Priester für sich allein arbeitet. Vor allem soll der Pastoralverband die Priester für ihre eigentlichen Aufgaben freimachen. Er soll sie insbesondere von unnötiger Verwaltungsarbelt entlasten. Man verspricht sich davon eine intensivere und bessere Heilssorge um die Menschen. Aber auch die Laien sollen innerhalb des größeren Verbandes enger zusammenarbeiten. Man könnte sich vorstellen, daß Vorhaben, die jetzt nur für eine Pfarre geplant und durchgeführt werden, für den ganzen Verband durchgeführt werden. So wird viel Doppelarbeit und Leerlauf vermieden.

Wie wird nun ein solcher Verband geleitet? An der Spitze steht das „Leitungsteam", dem alle Priester, alle hauptamtlich in der Seelsorge tätigen Laien und alle Pfarrgemeinderatsvorsitzenden angehören. In diesem Gremium werden alle wesentlichen Entscheidungen gefällt. Die Arbeit wird vorbereitet in Ausschüssen, von denen zunächst vier geplant sind (Gottesdienst, Schule und Jugend, Erwachsenenbildung, Soziales). In diesen Ausschüssen sollen auch interessierte und sachkundige Laien mitarbeiten, damit ein Höchstmaß an Heilssorge gewährleistet ist. Das Leitungsteam wählt einen Vorstand, der z. Z., und bis zur endgültigen Entscheidung im Oktober, aus folgenden Herren besteht: Kpl. Klußmeier als Vorsitzender, Pfarrer Schrievers und Rektor Sagel (beide Leuth) als Beisitzer, Der Pastoralverband soll auch einen Laien als hauptamtlichen Geschäftsführer bekommen, der die Verwaltungsarbeit leistet.

Das zunächst als kurze Information für Sie. Aber unser Pastoralverband kann nur zu wirklichen Erfolgen kommen, wenn alle mitarbeiten. Vorschläge Ihrerseits nehmen schon jetzt die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes entgegen.

O. Sagel


Dezember 1970

Abschied von den Christkönigsschwestern

Mit dem Ende des Jahres 1970 wird die Gemeinschaft der Christkönigsschwestern in unserer Pfarre aufgelöst. Sr. Ruth und Sr. Johanna werden ins Mutterhaus Meitingen bei Augsburg zurückkehren. Sr. Agape wird weiter, wie bisher, im Dienste des Krankenhauses tätig sein. Sr. Humilitas bleibt als einzige im Dienst der Pfarre und wird die Aufgaben weiterführen, die bisher von den Schwestern für unsere Pfarrkirche geleistet wurden.

Der Mangel an Nachwuchs und eine strukturelle Neuordnung des Christkönigsinstituts haben das Mutterhaus veranlaßt, den mit unserer Pfarrgemeinde am 10. Januar 1939 geschlossenen Vertrag zu kündigen.

In mehr als dreißig Jahren haben die Schwestern in Lobberich segensreich gewirkt. Vielgestaltig war das Gebiet ihrer Aufgaben: Caritas im weitesten Sinne, Familienpflege, Nähstube, Sakristeidienst, Sorge für Paramente, Ministrantenkleidung und Kirchenwäsche und manches andere. Schwester Ruth, die auf eine fast fünfundzwanzigjährige Tätigkeit in unserer Pfarre zurückblicken kann, hat die Tauf-, Trauungs- und Totenregister geführt und einen großen Teil der pfarramtlichen Korrespondenz besorgt. Mit großer Liebe haben die Schwestern, solange es die Kräfte erlaubten, den jährlichen Altentag vorbereitet. Ihr Weggang hinterläßt eine schmerzliche Lücke.

Dechant Peter Werth im Gespräch mit den Schwestern (von links nach rechts) Agape, Ruth, Johanna und Humilitas

Der Pfarrgemeinderat stellt zur Zeit Überlegungen an, inwieweit die genannten Aufgaben von ehrenamtlichen Helfern übernommen werden können. Eine lebendige Pfarrgemeinde lebt von der Opferbereitschaft ihrer Mitglieder.

Den scheidenden Schwestern aber bleiben wir in Dankbarkeit verbunden.

Möge der Herr, in dessen Dienst sie stehen, ihnen reichlich alles lohnen, was sie Gutes getan haben.

Dechant Werth

Dr. Max Josef Metzger

Der Stifter des Instituts der Christkönigsschwestern bestieg am 17. April 1944 im Zuchthaus von Brandenburg-Görden das Schafott und brachte sein Leben dar für den Frieden der Welt und die Einheit der Kirche. Seine Niederschriften, die er während der Monate der Gefangenschaft, den blutigen Tod vor Augen und an beiden Händen gefesselt, aufzeichnete, sind ein Vermächtnis. Die folgenden Verse sind entnommen dem empfehlenswerten Buch „Max Josef Metzger, Für Frieden und Einheit, Kyrios-Verlag, Meitingen". Sie mögen uns helfen, unsere Herzen für eine rechte Feier des Weihnachtsfestes zu bereiten.

Adventlied

In Nacht und Not wir zu Dir schrei'n:
Wer soll uns Heil und Retter sein?
Komm, Herr Jesu!

Der Hirsch lechzt nach dem kühlen Quell.
Komm! Still den Durst der Seele schnell!
Komm, Herr Jesu!

Uns drückt der Sünde Sklavenlos,
Ach, Herr, wir sind gar arm und bloß!
Komm, Herr Jesu!

Zerbrich der Sünde Kerker Du,
Führ' uns der heil'gen Freiheit zu!
Komm, Herr Jesul

Den Vätern warst Du Halt und Trost,
So hilf auch uns, vom Sturm umtost!
Komm, Herr Jesul

Ach mach von Haß und Neid uns frei,
Daß Eintracht unter Menschen sei!
Komm, Herr Jesu!

So komm mit Deiner Königsmacht,
Vertreib das Dunkel in der Nacht!
Komm, Herr Jesu!

Ja, komm als Herr der Ewigkeit!
Zeig Deines Reiches Herrlichkeit
Komm, Herr Jesu!

Ergebnis der Kirchenvorstandswahl 1970

Wie im Pfarrbrief Nr. 3 vom Oktober 1970 erwähnte und erläuterte Wahl des Kirchenvorstandes wurde an 2 Sonntagen, am 25. Oktober und am 8. November, in der Zeit von 8 Uhr bis 12.30 Uhr, durchgeführt. Wegen der Messe am Samstagabend wurde Gelegenheit gegeben, jeweils bis 1 Stunde nach der Messe zu wählen.

Beim ersten Wahlgang beteiligten sich 234 Pfarrangehörige. Dies ist mehr als das Doppelte gegenüber früheren Wahlen. Bemerkenswert erscheint es, daß auch Pfarrangehörige zur Wahl, erschienen, die 18 Jahre alt waren, jedoch nicht zur Wahl zugelassen werden konnten weil im Gegensatz zu den Wahlen zu staatlichen Vertretungen für die Beteiligung an der Wahl des Kirchenvorstandes die Vollendung des 21. Lebensjahres erforderlich ist. Die Festsetzung einer übereinstimmenden Altersgrenze dürfte anzustreben sein, um das Interesse der Jugend an den kirchlichen Angelegenheiten zu fördern.

Beim ersten Wahlgang erreichten 3 Kandidaten und die 2 Ersatzmitglieder die erforderliche Anzahl von mehr als 50% der abgegebenen Stimmen = 118 Stimmen. Beim 2. Wahlgang war die Beteiligung mit 89 abgegebenen Stimmen erheblich geringer als beim 1. Wahlgang. Gewählt waren die Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhielten Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis:

Als Mitglieder des Kirchenvorstandes wurden Josef Bäumges, Paul Brüggemann, Karl-Hans van Ditzhuysen, Anton Dreeßen und August Voßdahls, als Ersatzmitglieder Johannes Wolfers und Johannes Helgers gewählt.

Ungültig waren in beiden Wahlgängen 8 Stimmen. Einsprüche gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Wählerliste waren nicht erhoben worden.

Für Johannes Gartz, Heidenfeld, dessen Mandat noch für 3 Jahre, also bis zur nächsten Wahl, fortbestand, der jedoch auf eigenen Wunsch aus dem Kirchenvorstand ausschied, gelangte der einzige noch auf der Liste der Ersatzmitglieder geführte Anton Naus in den Kirchenvorstand.

Der Kirchenvorstand setzt sich nunmehr wie folgt zusammen:

Herr Sparkassendirektor Bernhard Kuhnert, der bisher die Geschäfte des Kirchenkassenrendanten mit größter Umsicht geführt hatte, trat in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist das Mitglied im Kirchenvorstand, Anton Dreeßen.

J. Bäumges


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